Von BinnenMajuskeln und Regeltreue
Sie sind es gewohnt an dieser Stelle über Trends und neue Entwicklungen in der IT zu lesen. Mit dieser Tradition will ich für dieses Mal brechen und ein altes Phänomen zur Sprache bringen – die IT-Branche und deren Umgang mit der deutschen Sprache.
Zwei Dinge liegen mir dabei besonders am Herzen. Zum einen die ungehemmte und unreflektierte Verwendung von Fachbegriffen aus dem Anglikanischen. Zum anderen die zunehmende Verbreitung von Binnenmajuskeln in Produkt- und Firmennamen.
Die IT wird von den USA dominiert und so ist es nur selbstverständlich, dass neue Entwicklungen überwiegend in den Vereinigten Staaten stattfinden und damit einhergehend die assoziierten Fachbegriffe in Englisch gehalten sind. Nun kann man jedem englischen Fachbegriff einen nationalsprachliches Pendant entgegen setzen – wie die Franzosen es versuchen – oder fatalistisch, ja resignierend jeden Anglizismus akzeptieren.
Zugegeben, jeder Fachbegriff kann oder muss nicht in die eigene Sprache übersetzt werden. Aber dort, wo es eindeutige Begrifflichkeiten gibt, ist es überflüssig sich mit dem Englischen zu schmücken und Fachlichkeit vorzutäuschen. Beispiele: Human Resource statt Personal, Security Solution statt Sicherheitslösung, Business Process statt Geschäftsprozess, Health statt Gesundheit, Collaboration statt Zusammenarbeit, Compliance statt Regeltreue, Life Cycle statt Lebenszyklus, Message statt Nachricht, und so weiter und so fort.
Binnenmajuskeln sind Großbuchstaben (Versalien) inmitten eines Wortes. Von der deutschen Rechtschreibung her ist das bis auf eine Ausnahme bei den Eigennamen nicht vorgesehen (McDonald, MacIntosh, FitzGerald, FitzPatrick). Dennoch wird es immer häufiger von den Marketingabteilungen und Agenturen für die Produkt- und Firmennamen eingesetzt, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Hier nur einige der zahllosen Beispiele: BlackBerry, MacBook, QuickTime, easyJet, RedEye, MediaWiki, iPhone, PricewaterhouseCoopers, ThyssenKrupp, GlaxoSmithKline, BitTorrent, HafenCity, etc. Diese Art Begriffe zu schreiben wird inflationär genutzt. Die Folge: es passiert immer häufiger, dass Binnenmajuskeln auch fälschlicherweise eingesetzt werden: TransAmerica (Transamerica), FireFox (Firefox), UseNet (Usenet), TimeWarner (Time Warner), GameBoy (Game Boy), MicroSoft (Microsoft, ursprünglich korrekt), MacWorld (Macworld), KarmelKorn (Karmelkorn), PhotoShop (Photoshop, ursprünglich korrekt) und BlackBox (Black Box). Bei einigen Konstellationen löst sich das Problem aber von selbst: siehe DaimlerChrysler.
Sollen wir als journalistisches Magazin die Werbetrommel für die Firmen rühren oder uns lieber an die Rechtschreibregeln halten? Mich interessiert Ihre Meinung zu diesen beiden Themen. Ich lade Sie herzlich ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Sie können die Kommentare auch abgeben, ohne sich vorher registieren zu müssen.
Herzlichst, Ihr,
Albert Absmeier
Chefredakteur
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16.10.2009 bei 10:16
Liebes manage it Magazin,
Sie schreiben mir aus der Seele. Als Leser wünsche ich mir keine Werbung, sondern neutrale Reflektion. Wer, wenn nicht die Journalisten haben es in der Hand, den korrekten Gebrauch der deutschen Sprache zu steuern. Strenggenommen soll ein Fachmagazin keine Marketingplattform für die Unternehmen sein, hierzu gibt es schließlich Unternehemnsbroschüren/Produktflyern und Homepages. Also ein klares “Nein” zur Werbetrommel und “Ja” bitte halten Sie sich an die Rechtschreibregeln.
Herzlichst. L.Rozic
28.9.2010 bei 12:22
Voll aus dem Herzen, Kollege. Aber das Schlimme ist: Es interessiert letzten Endes keine Sau; die meisten merken nicht mal den Unterschied - außer dann, wenn ihr eigener Markenname - der natürlich nicht den Rechtschreibregeln entspricht - nach eben diesen Regeln geschrieben wird.